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Konsumenten stehen jetzt auf Öko-Strom
Verfasst von Dorian Cantzen unter Aus dem Alltag gegriffen am 21. März 2011
Der Super-Gau in Japan mobilisiert die Konsumenten. Der ein oder andere Hypochonder bekommt keine rezeptfreien Jodtabletten mehr, weil Berliner Apotheker die Tabletten nur noch auf Rezept herausgeben und den „konventionellen“ Stromversorgern rennen die Kunden weg.
Wenn der Deutsche Michel um sein Leben fürchten muss, bewegt sich Einiges. Dioxin in Eiern sorgte im Januar 2011 für ein Absatzplus von ca. 50 Prozent zum Vorjahr. Im Februar gab es einen Anstieg von nur noch etwa 25 Prozent zum Vorjahr (laut Agrarmakt Informationsgesellschaft). Wie hoch das Niveau dauerhaft sein wird, ist unklar – vor allem weil sich der Fokus der Öffentlichkeit momentan auf die atomare Katastrophe in Japan richtet und das Thema Dioxin nun „gegessen“ zu sein scheint.
Seit den Meldungen über die Probleme der japanischen Atomkraftwerke haben sich die Vertragsabschlüsse bei dem Energieunternehmen Naturstrom etwa verzehnfacht. Das berichtet Tim Loppe, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. „Das sind derzeit etwa 1200 Neuverträge pro Tag. In der letzten Woche hatten wir sogar Spitzen von 1600 Verträgen pro Tag. Im Vergleich: Anfang März hatten wir etwa 130 pro Tag.“ Auch der Energieunternehmen Lichtblick verzeichnet Kundenzugewinne. Vor der Katastrophe waren es ca. 300 Vertragsabschlüsse pro Tag, nun seien es 800, so Ralph Kampwirth, Leiter der Unternehmenskooperation von Lichtblick. Auch Greenpeace Energy profitiert vom neuen Bewusstsein. Hier seien es immerhin etwa insgesamt 1000 Verträge seit der letzten Woche gewesen, teilte das Unternehmen auf Anfrage mit.
Das was den Bio-Eiern blüht, wird beim Strom aufgrund der Vertragsbindung zum Glück schwerer fallen: Das Zurückverfallen in alte Gewohnheiten. Der Griff zum konventionellen Ei im Supermarkt ist dann doch leichter als einen Stromvertrag zu wechseln.
Die nächste Katastrophe kommt bestimmt. Warum sich nicht schon „präventiv“ Gedanken machen und den Konsum neu ausrichten?