Erstaunlich! In der Krise kaufen politische Konsumenten weiterhin fair gehandelte Lebensmittel, verzichten aber auf Bio! Wer ist schuld am Bioabsturz?
Verzichten klamme Lifestyleökos lieber auf Bio und kaufen “normale” Sachen, weil sie lieber ihren Yoga-Kurs bezahlen als ihren Biofisch? Sind es Discounterkunden, die nun weniger oft in das Bioregal greifen? Sind es politische Konsumenten, die trotz kleineren Portemonnaies vermehrt Fairtrade Produkte kaufen und deswegen bei Bio verzichten?
Zunächst die Zahlen: Die Umsatzentwicklung in Deutschland von biologisch zertifizierten Produkten erfuhr in den letzten Jahren hohe Steigerungsraten. 2006 gab es eine Steigerung des Umsatzes zum Vorjahr auf insgesamt 4,6 Mrd. Euro (17,9 Prozent); im Folgejahr um 15,2 Prozent auf 5,3 Mrd. Euro und 2008 auf 5,85 Mrd. Euro (10,4 Prozent). Im Krisenjahr 2009 sank der Umsatz um 0,9 Prozent auf 5,8 Mrd. Euro.
Im Fair-Trade Handel sind die Zuwächse höher. Im Jahr 2006 gab es eine Steigerung des Umsatzes in Deutschland von 51 Prozent auf 155 Mio. Euro. 2007 stieg der Umsatz um 24,5 Prozent auf 193 Mio. Euro. 2008 waren gab es einen Anstieg um 10,4 Prozent auf 213 Mio. Euro.
Im Krisenjahr 2009, und das ist das Interessante, gab es eine Steigerung um 25,4 Prozent auf 267 Mio. Euro bei fair gehandelten Produkten; bei Bioprodukten hingegen einen Umsatzrückgang. Zwar beträgt der Anteil von Fairtrade Produkten gemessen an der verkauften Menge von Bioprodukten im Jahr 2009 lediglich rund ein Zwanzigstel, aber die “Krisensicherheit” von Fairtrade Produkten scheint deutlich besser zu sein als die des ökologischen Musterschülers.
Woran liegt das? Zunächst ist es doch nicht so einfach. Zwar ist der Umsatz gesunken, aber die verkaufte Menge von Bioprodukten ist gestiegen. Schuld daran seien die Discounter mit Ihrem Preisdruck: weniger Umsatz aber größere Mengen. Das lässt sich mit Fair Trade Produkten kaum machen, wenn Produzenten in Entwicklungsländern einen garantierten Preis bekommen. Der Preisdruck bei deutschen Zwischenhändlern, also Lizenznehmern für fair gehandelte Produkte, ist ähnlich hoch wie bei Bioprodukten.
Im Fairtrade-Bereich jedoch ist der Preisdrückerei, zumindest was sie Produzenten angeht, ein Riegel vorgeschoben. Aus diesem Grund sind die Umsätze stärker an die Menge der vertriebenen Produkte gekoppelt.
Aber Gutmenschen, die in der Krise Fair-Trade Produkte kaufen, muss es trotzdem geben. Ohne diese wäre eine Umsatzsteigerung von 25 Prozent nicht machbar. Ob Lifestyleökos und Gelegenheitsgutmenschen jetzt weniger Öko kaufen und mehr Fairtrade, oder beides zusammen, oder keines von beiden, bleibt fraglich.
Das Fairtradeprodukte umsatzstark bleiben ist eine gute Entwicklung. Das eigene Wohlfühlempfinden lässt sich einfach besser mit fair gehandelten Produkten streicheln, besonders in Zeiten der Krise.
#1 von Andreas am 31. Dezember 2010 - 18:09
Keine