geld sparenDie gegenwärtige Wirtschaftskrise hat viele Ursachen. Eine, die hilft sie zu verlängern, ist die neue Zurückhaltung der amerikanischen Konsumenten. Nun sollen Chinesen und Europäer an ihre Stelle treten. Doch das hilft nur gegen eine von zwei Krisen.

Die Welt hatte sich daran gewöhnt, dass die amerikanischen Verbraucher für die globale Nachfrage sorgen, während Länder wie China, Indien und auch Deutschland diese befriedigten und gut davon lebten. So kletterte zuletzt der Anteil des durchschnittlichen Haushaltseinkommens, der für Konsum und Behausung (lies: Hauskauf), auf 75 Prozent. Die Kehrseite: Die Sparquote sank auf nahezu null Prozent, die durchschnittliche Verschuldung eines Haushaltes auf 132 Prozent des verfügbaren Einkommens.

Die Immobilien-, Finanz- und schließlich Wirtschaftskrise beendete den Kaufrausch der amerikanischen Verbraucher. Die Vermögen, vor allem in Form von Immobilien, sind stark gemindert, der Arbeitsmarkt liegt darnieder. Die amerikanischen Verbraucher entdecken das Sparen wieder und manche machen aus der Not eine Tugend und betreiben das downshifting: Also einen Gang runterschalten und ein einfacheres, langsameres Leben führen. Dieser Trend ist mittlerweile auch in Europa angekommen und wird nicht zufällig mit einem neuen Interesse am Gärtnern begleitet.

Trotz solcher vermutlich nur vorübergehenden Phasen bleibt die große Frage offen: Wer wird in Zukunft mit seiner Nachfrage die Weltwirtschaft ankurbeln? Die amerikanischen Verbraucher sind bereits vielfach abgeschrieben worden, vielleicht zu voreilig. Ansonsten wären noch die Europäer, allzumal “wir sparsamen Deutschen”, die “wir” als Konsumenten noch nicht so richtig kalt erwischt wurden. Und die Chinesen, die lange für den amerikanischen Konsum produziert haben und nun mit ihren satten Dollarreserven auf Einkaufstour gehen könnten.

Aus Deutschland kam vor allem die Abwrackprämie, deren größtes Verdienst es ist, dass ihre Nachfragewirkung nicht nur auf deutsche Automobilbauer beschränkt ist. Darüber hinaus ist aber gerade von den Konsumenten kein Kaufrausch zu erwarten. Dass der Konsum hierzulande (noch) nicht eingebrochen ist, grenzt schon an ein kleines Wunder („German angst“, anyone?). Dass Konsum aber zu einer Art patriotischen Pflicht ausufert, wie sie am bekanntesten mit George Bushs Konsumaufforderung nach 9/11 zum Ausdruck kam, ist schlicht undenkbar.

Bei den Chinesen wäre ein Konsumrausch per Dekret wahrscheinlicher. Und in der Tat wuchs das chinesische Bruttosozialprodukt im 2. Quartal 2009 um fast 8 Prozent – erstaunlich angesichts des Abschwungs in Amerika und Europa. Dieses Wachstum ist zu einem großen Teil auf den inländischen Konsum zurückzuführen, der durch ein großes Konjunkturprogramm und gelockerte (Konsum-) Kreditvergabe befeuert wird. Dumm nur, dass dieser Konsum keine ausländischen Produkte braucht. Im Gegenteil: Noch offener als andere Länder verbindet China Konjunkturmaßnahmen mit Protektionismus und fördert den Kauf lokaler Waren.

Doch ganz gleich, wer am Ende dafür sorgt, dass aus Warenflüssen wieder die alten globalen Warenströme werden – gelöst würde damit nur eine, nämlich die geringere Krise. Was aber ist mit der Klimakrise? Egal, ob man an sie für plausibel hält oder nicht, wird doch niemand bestreiten können, dass die damit verbundene Forderung nach verbesserter Ressourceneffizienz sinnvoll ist. Sollte sich am Ende alles als zu düstere Prognose erwiesen haben – ich glaube es nicht –, dann wäre Ressourceneffizienz auf hohem Niveau in einer Welt knapper und teurer Rohstoffe alle jetzt unternommenen Anstrengungen mehr als wert gewesen.

Was also ist mit dieser Krise? In der staatlichen und großindustriellen Planung ist sie verstanden, wie vor allem die Obama-Regierung oder das neu gegründete Konsortium Desertec beweisen. Von den knapp 800 Milliarden US-Dollar Konjunkturpaket, sind immerhin 100 Milliarden für Technologieförderung, Energie und Forschung und Entwicklung vorgesehen. Und auch das Desertec-Projekt, das Solarstrom in Nordafrika produzieren und nach Europa leiten will, verspricht Großes, wenn die vielen praktischen Probleme es nicht entgleisen lassen. Doch wo bleibt das Potenzial des Konsums? Warum zapft das keiner an?

Alte Gewohnheiten sind schwer zu verändern. Wer im Energierausch groß geworden ist, hat kein Verständnis dafür, was etwa Strom und Stromherstellung bedeutet – hier enden Interesse und Wissen bei der Steckdose; die Kohle- und Atomkraftwerke sind weit weg. Deswegen sind Anreize für das Umdenken und Verhaltensveränderung notwendig.

Doch was bekommen wir Verbraucher? Die Abwrackprämie, die doch allen Ernstes „Umweltprämie“ genannt wird. Ein schönes Geschenk – für eine deutsche Schlüsselindustrie. Sinnvoller, aber weniger effektheischend und politisch nutzbar wäre ein Paket aus vielen kleinen Einzelmaßnahmen. Vorschläge gibt es genug und doch: Selbst die sinnvolle Forderung nach einer Abwrackprämie für Kühlschränke bleibt ein frommer Wunsch.

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