Sparer und Anleger – das ist wie Feuer und Wasser ein großer Gegensatz. Meint man zumindest. Unser Gastautor Ole Hansen zeigt, warum jeder Sparer und Versicherungsnehmer auch ein Anleger ist – und erklärt, warum sie mehr Mitspracherechte verlangen sollten.Mit Konsum verbindet der Bundesbürger meistens den physikalischen Konsum von Autos, Bier oder Handys. Bei Serviceleistungen wie Flugtickets, Rasenmähen und Benutzung von Softwareprogrammen ist der Konsum oft nicht mehr ganz greifbar. Finanzprodukte wie Aktien, Optionen und ausländische Staatsanleihen kauft der Deutsche sowieso nicht. Das deutsche Geld wird gespart (mit einer Sparquote von 11.3% in 2008) – auf Sparbüchern oder mit Festgeld, aber ganz gewiss nicht mit diesen Finanzprodukten. Weit gefehlt!
Bei Banken und Versicherungen lagern sich die Ersparnisse und Zahlungen für private Versicherungen – 395.553.000.000 Euro Spareinlagen Ende 2008 alleine bei der Deutschen Bank! Die Allianz besaß zum gleichen Zeitpunkt 296.557.000.000 Euro Reserven für verkaufte Versicherungen! Wie die Bilanzen der Banken und Versicherungen dokumentieren, erwirbt der Bürger so – indirekt – ein wildes Spektrum von risikoreichen Finanzprodukten: Mit seinem Geld investieren Banken und Versicherungen in Aktien, Unternehmenskredite und auch weiterhin kleinere Beträge in CDOs und ABSs.
Die aktuelle, anscheinend unbewusste Entscheidung von Konsumenten ist eindeutig: Neben weitreichenden staatlichen Versicherungen kaufen sie private (Zusatz-)Versicherungen und Sparbücher, bzw. Festzinseinlagen. Bei den Versicherungen vertrauen sie auf Auszahlung der Versicherungsansprüche, während die Sparbücher durch den Einlagensicherungsfond komplett risikofrei sind.
Dieses System hat in der Bankbranche zur Privatisierung der Gewinne und zur Umlage der Verluste auf die Gesellschaft geführt. Noch stehen die Versicherer, aber einige Lebensversicherungen sind stark am Wackeln. Gleichzeitig erzürnen die impliziten Folgen ihrer Kaufentscheidung nun die Bürger, die für die Verluste aufkommen müssen. Sie fühlen sich machtlos, während Regierende und Spitzenmanager der Banken in der aktuellen Wirtschaftskrise mit meist öffentlichen Milliarden jonglieren. Aber sind sie wirklich so machtlos? Welchen Handlungsspielraum haben sie gerade als Konsumenten von Finanzdienst- und Versicherungsleistungen?
Wie bei Flugticket oder Internetbrowser kann der Konsument auch hier eine bewusste Konsumentscheidung treffen! Denn wem gehört denn die Bank oder die Versicherung? Aktionären, Kreditgebern, (heute) dem Staat? Nein, den Bürgern und kreditnehmenden Unternehmen! Den Deutsche Bank Aktionären gehören 30,7 Mrd. Euro, den (langfristigen) Kreditgebern 133,9 Mrd. Euro. Spareinlagen finanzieren die Deutsche Bank mit 395.6 Mrd. Euro. Warum also nicht vor dem Einzahlen auf dem Sparbuch der Deutschen Bank sagen, dass dieses Geld nur in sichere deutsche Staatsanleihen investiert werden soll – die Aktionäre sagen doch schließlich auch lautstark, was Herr Ackermann mit Ihrem Geld machen soll.
Der Konsument kann selbstbewusst diese Forderungen stellen und hat gute Chancen auf maßgeschneiderte Produkte–hat unsere Konsumnachfrage nicht auch zu tausenden kleinen Knut-Stoffbären geführt? Gleichwohl dürfte diese Entscheidung finanzielle Konsequenzen für den sparsamen Bürger haben. So wird der Verweis auf risikoärmere Anlagestrategien die langfristige Rendite reduzieren und somit geringere Zinsen auf dem Sparbuch bedeuten. Aber hier verhält es sich wie mit jeder anderen bewusst getroffenen Konsumentscheidung auch: Die eigene Überzeugung durchzusetzen kostet extra.
Ole Hansen