Schlankes Mineralwasser und Schönheitswahn


So mancher Konzern hat unlängst erkannt, dass Knochengerüste nichts mehr in Werbekampagnen zu suchen haben und ein Magermodell-Schönheitsideal nicht unbedingt verkaufsförderd ist (siehe Dove, Unilever). Realistische Werbung mit authentischen Personen ist “in”. Ulla Schmidt möchte gar einen Kodex gegen Schlankheitswahn durchsetzen. Herausgekommen ist eine nationale Charta gegen gesundheitsschädlichen Schönheitswahn. Dürre Models sollen aus Zeitschriften, vom Reißbrett der Designer und von den Laufstegen verbannt werden. “Leben hat Gewicht” heißt das neu gelauchnte Aktionsbündnis der Bundesregierung, das junge Menschen aufklären und bei gesellschaftlichen Gruppen und Unternehmen auf freiwillige Selbstverpflichtungen hinarbeiten will. Wer so eine Selbstverpflichtung im Bereich Produktmarketing eingehen könnte: Eine Mineralwassermarke.

Niemand hätte gedacht, dass Mineralwasser dick machen könnte, aber es kann dafür sorgen, dass man schlank bleibt. Die Rede ist von Contrex, dem Mineralwasser “für alle, die schlank bleiben wollen”. Contrex gehört der Nestlé Waters Deutschland GmbH und die Zielgruppe des Wassers scheint marketingtechnisch genauestens abgesteckt zu sein. Geworben wird mit extrem dünnen, durchgestylten, jungen Comic-Frauen. Keine Frage, es ist gesund, mineralstoffreich und natriumarm.

Während die Bundesregierung aber mit einer Vielzahl unterstützender Institutionen und wortführender Prominenter die Öffentlichkeit für ein gesundes Körperbild sensibilisieren und dem extremen Schlankheitsideal entgegentreten will, gibt es sie also noch, die aggressive Werbung mit immerhin nur noch gezeichneten Extrem-Magermodels, deren Finger man nur noch erahnen kann.

Übrigens habe ich eine Flasche Contrex-Wasser neben mir stehen und das junge Produktdesign ist tatsächlich spritzig und verlockend, keine 08/15-Mineralwasser-Verpackung. Nur die Comic-Dame fällt negativ ins Auge. Gekauft hat die Flasche übrigens meine Freundin, die im Moment diätiert. Ob sie das Wasser wohl bewusst gekauft hat oder ob es nur ein gutes Mineralwasser wie jedes andere für sie ist? Auf meine Frage, ob sie es bewusst gekauft hat, kam zurück “Contrex for life!”. Tatsächlich gab es aber nur ihr Lieblingswasser nicht mehr und die Contrexfalsche hatte eine ähnliche Flaschenform.

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  1. #1 von Amy am 17. August 2008 - 19:14

    Abgesehen vom Schlankheitswahn, gegen den sich endlich auch öffentlichkeitswirksam etwas tut, ist hier auch noch ein anderes “Problem” angesprochen: In einem Land, in dem fast überall Trinkwasser zur Verfügung steht, dass höchsten Reinheits- und Gesundheitsansprüchen genügt, verstehe ich nicht so ganz, warum Leute überhaupt noch zu den natürlichen Mineralwässern in PET-Flaschen greifen. Abgesehen von Athleten, die teilweise mit Heilwässern ihren Mineralstoffbedarf decken, oder Menschen, die Sprudel oder Geschmacksstoffe bevorzugen, sehe ich keine zwingenden Gründe, Geld auszugeben, wenn das gesunde und kalorienfreie Nass auch aus dem Hahn zu Hause kommt.

    Trinkwasser aus der Leitung zu beziehen erleichtert den Einkauf, ist umwelt- und gesundheitsfreundlich. :)

(wird nicht veröffentlicht)