These:
Aus ökonomischer Sicht spricht vieles dafür, die Unternehmensethik der Konsumethik nachzuordnen, weil keine Unternehmen ohne Käufer existieren.
Erklärung:
Die klassische und neoklassische Ökonomie denkt die Nachfrage des Konsumenten systematisch der Produktion vorangehend. Bevor also ein Produkt entsteht, muss die Nachfrage dafür existieren – ohne Nachfrage kann kein Unternehmen auf dem Markt bestehen.
Geht es nun um ethische Fragen, wäre die logische Konsequenz, dass sich zunächst mit der Konsumethik beschäftigt wird.
Nun könnte eingewendet werden, dass Unternehmen heute in der Lage sind ihre Nachfrage selbst zu generieren, indem Bedürfnisse geweckt werden, die vorher nicht da waren.
Diese Argumentation muss zwangsläufig scheitern, da sie jedwede Ethik ad absurdum führt; und zwar aus folgenden Gründen: Ethik ist die Lehre über die individuelle moralische Qualifikation von Handlungsmaximen, oder im Sinne einer konsequentialistischen Ethik (Folgenethik), über Ergebnisse von Handlungen. Vorausgesetzt wird in jedem Falle, dass sich jeder Einzelne eine Idee darüber bilden kann, was „gut“ und was „schlecht“ ist. Diese Autonomie des Individuums muss vorausgesetzt werden, wenn es um Fragen der Ethik geht.
Würde man nun im Sinne einer stimmigen Lehre annehmen, dass es Organisationen oder auch Menschen gibt, die Mitmenschen manipulieren können, dann würde sich die Frage der Ethik nicht mehr stellen können, da diese Mitmenschen als ohne Autonomie vorgestellt werden. Auch wenn es in der Praxis oft so ist, dass Unternehmen Konsumenten hinters Licht führen oder sogar manipulieren, kann dies aus systematischen Gründen nicht ernsthaft innerhalb einer Ethik angenommen werden.
Es muss bei jeder Ethik immer vom aufgeklärten Menschen ausgegangen werden, der die Freiheit besitzt sich Begriffe vom „Guten“ und „Schlechten“ zu machen. Dies ist ein Ideal, weshalb es das Ziel einer Konsumethik ist, den aufgeklärten Konsumenten theoretisch zu fundieren und praktisch zu verwirklichen.